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18. Januar 2019

astronomie.info



  

Wolke, wie neu

Ausschnitt einer Simulation, die Galaxien (orange) und Gas (blau) darstellt. An manchen Stellen ist die Materie noch frisch wie am ersten Tage – in Form von Gaswolken, die seit dem Urknall nicht von Sterngenerationen mit schweren Elementen angereichert wurden. (Bildnachweis: TNG Collaboration)

Astronomen haben mit hoher Auflsung eine Gaswolke untersucht, deren Zusammensetzung

sich seit ihrer Entstehung kurz nach dem Urknall fast gar
nicht verndert hat. Die

‘Fossilwolke’ ist erst die dritte bekannte ihrer Art.

Ein Fund wie eine ungeffnete Keksdose nur einen Tag vor Heilig Abend: keiner hat die

leckeren Vanillekipferl vernascht, dafr die gesunden
Dinkelschnitten reingeschmuggelt

und die Dominosteine sind auch noch drin… Astronomen
haben eine weit entfernte

Gaswolke beobachtet, deren Zusammensetzung der ganz
ursprnglichen ‘Befllung’ kurz

nach dem Urknall zu entsprechen scheint. Whrend sonst
aufeinanderfolgende

Sterngenerationen ihre Umgebung sukzessive mit schweren
Elementen wie Gold, Platin oder

Uran anreichern (etwa durch Supernovaexplosionen der
schwersten oder ber

‘Planetarische Nebel’ der leichteren Sterne) und damit auch
der Sternentstehung selbst

nachhelfen, scheint die jetzt beobachtete Wolke vllig
unverndert geblieben zu sein.

Die Beobachtungen beschrnken den ‘Metall-Gehalt’ (in der
Astronomie alle Elemente, die

schwerer als Wasserstoff, Helium und Lithium sind) der
Wolke auf hchstens ein

zehntausendstel des Wertes unserer Sonne.

Mglich wurde die Beobachtung durch die hochauflsenden
Instrumente ESI (Echellette

Spectrograph and Imager) und HIRES (High-Resolution Echelle
Spectrometer) der beiden

10-Meter Teleskope des Keck-Observatoriums auf Hawaii. Ein
hinter der ‘fossilen Wolke’
liegender Quasar, ein aktiver Kern einer Galaxie, in dem
ein massereiches Schwarzes

Loch
gewaltige Materiemengen akkretiert und dabei in einem
breiten Wellenlngenbereich

leuchtet, durchstrahlte die Wolke, deren Zusammensetzung so
analysiert werden konnte.

Dabei zeigte die Elementsignatur eben jene
Ursprnglichkeit, die sonst ausgesprochen

selten im Universum ist. Bisher wurden erst zwei andere
Wolken hnlichen Aufbaus

gefunden, beide eher zufllig im Jahr 2011. Fr den neuen
Fund konnten die Astronomen

systematischer vorgehen, indem sie sich mit den
hochauflsenden Instrumenten bekannte

Quasare erneut vornahmen, die vorher nur mit geringerer
Auflsung beobachtet worden

waren. Dabei zeigte sich, dass die unvernderten Alt-Wolken
tatschlich sehr selten

sein mssen. Vorher vermutete man, dass nur die geringe
Auflsung der Grund fr deren

geringe Entdeckungsrate gewesen war.

Mit den neuen Daten knnen Astronomen nun einerseits die
ursprnglichen Strukturen

selbst studieren, aber auch, wie es zu einsiedelnden
Gebieten im Universum kommen kann,

die keine Sterne hervorbringen und so im Laufe der
Jahrmilliarden keine Metall-

Anreicherung zeigen. Auf der Erde muss man solch eine
Zurckhaltung nicht unbedingt

zeigen – in diesem Sinne: ran an die Kekse! Frhliche
Feiertage und einen guten Rutsch

in ein astronomisch gutes neues Jahr 2019!
23.12.2018

  

23.12.2018 23:01 Uhr, Ilka Petermann



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