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22. September 2018

Die „New York Times“ als Jago – Wie man durch das Säen von Misstrauen Friedensbemühungen untergräbt | NachDenkSeiten – Die kritische Website



Die „New York Times“ als Jago – Wie man durch das Säen von Misstrauen Friedensbemühungen untergräbt


Veröffentlicht in: Außen- und Sicherheitspolitik, Audio-Podcast, Länderberichte, Medienkritik, Strategien der Meinungsmache

Als „Teil des stillen Widerstands innerhalb der Trump-Regierung“ hat sich ein anonymer Autor in der US-Tageszeitung „New York Times“ bezeichnet. Der Kommentar sei ein Meisterwerk betrügerischer Irreführung, sagt die US-Journalistin Diana Johnstone, die diesen Artikel analysiert hat, der beispielhaft ist für eine auf namenlosen Quellen beruhende Kampagne. Johnstones Text wurde übersetzt von Gabriele Herb, er ist bei Paul Craig Roberts erschienen. Von Diana Johnstone.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Bei der Produktion von Fake-News übertrifft die „New York Times“ sich wieder einmal selbst. Es gibt keine zuverlässigere Quelle für Fake-News als die Geheimdienste, die ihre Lieblingsmedien – die „New York Times” und die „Washington Post“ – regelmäßig mit Sensationsstorys versorgen, die so unverifizierbar sind wie ihre Quellen anonym. Ein Musterbeispiel dafür war der Bericht vom 24. August, der besagte, die US-amerikanischen Geheimdienste wüssten nichts über die Pläne Russlands, unsere Wahlen im November zu vermasseln, weil „Informanten, die (…) Putin und dem Kreml nahestehen“, nichts verlauten lassen. Nichts zu wissen über etwas, wofür es keine Beweise gibt, ist ein seltener journalistischer Coup.

Eine Story wie diese ist nicht dazu gedacht, „die Öffentlichkeit zu informieren“, enthält sie doch keinerlei Informationen. Sie verfolgt andere Ziele: nämlich die Story von „Russland untergräbt unsere Demokratie“ auf den Titelseiten zu halten. Diesmal noch mit dem Extra-Dreh des Versuches, bei Putin Misstrauen gegenüber seinem Umfeld zu säen. Der russische Präsident soll sich fragen: „Wer sind diese Informanten in meinem Umfeld?“

Dies war jedoch gar nichts gegen den Klopper, den das „Leitmedium“ am 5. September veröffentlichte. Es ist immer die gleiche Leier: Trump böse, Putin böse – böse, böse, böse. Es geht um den sensationellen Gastbeitrag mit dem Titel „Ich bin Teil des Widerstands innerhalb der Trump-Regierung“ eines nicht namentlich genannten Autors.

Meisterwerk betrügerischer Irreführung

Der Beitrag von Herrn oder Frau Anonym ist sehr gut formuliert. Er könnte von jemandem wie, sagen wir, Thomas Friedman stammen, das heißt, einem Mitarbeiter der „New York Times”. Der Beitrag ist sehr geschickt aufgebaut, verfolgt er doch offensichtlich recht ausgeklügelte Ziele. Er ist ein Meisterwerk betrügerischer Irreführung.

Der fiktive Autor stellt sich als rechter Konservativer dar, der schockiert ist von Trumps „Amoralität“ – einer Charaktereigenschaft, die außerhalb des Washingtoner Sumpfes auch den Vertrauensbruch gegenüber einem Vorgesetzten beinhalten mag.

Dieser anonyme Feind der Amoralität behauptet, all die extremen rechten Maßnahmen der Trump-Regierung als Lichtblicke gutzuheißen, als da sind: Deregulierung, Steuerreform, ein stärkeres Militär, „und mehr“ – womit er klugerweise Trumps Einwanderungspolitik nicht erwähnt, die die liberaleren Leser der „New York Times“ ungebührlich schockieren könnte. Der verstorbene Senator McCain, ein Musterbeispiel überparteilicher Kriegshetze, wird als leuchtendes Vorbild dargestellt.

„Widerstand“ nur gegen Trumps Außenpolitik

Der bekundete „Widerstand“ wendet sich ausschließlich gegen jene Facetten Trump´scher Außenpolitik, die Insider im Weißen Haus angeblich fleißig zu untergraben versuchen: friedliche Beziehungen zu Russland und Nordkorea.

Trumps Wunsch, Krieg zu vermeiden, wird zu einer „Vorliebe für Autokraten und Diktatoren“ umgedichtet. (Für seine kriegslüsterne Rhetorik gegen den Iran und seine engen Beziehungen zu Netanjahu wird Trump nicht gelobt, obwohl „Anonym“ doch seine Freude daran haben müsste.)

Der Zweck dieser Übung liegt verblüffend klar auf der Hand. Die „New York Times“ hat schon gute Dienste geleistet, indem sie liberale Demokraten und links-gerichtete Unabhängige für den Lynchmob gegen Trump mobilisierte. Die neueste Masche ist nun aber, auch konservative Republikaner zum Sturz des gewählten Präsidenten aufzustacheln. Der Beitrag kommt einer Unterstützungserklärung des künftigen Präsidenten Pence gleich. Wir müssen nur Trump loswerden und hätten dann einen netten, adretten, ultrarechten Republikaner als Präsidenten.

Misstrauen wird gesät

Vielleicht mögen die Demokraten Pence nicht. Sie sind aber vom Hass auf Trump so besessen, dass sie offenbar bereit sind, den Teufel selbst zu akzeptieren, wenn sie dafür nur den bösen Clown loswerden, der Hillary Clinton zu besiegen wagte. Weg mit der Demokratie – die Stimmzettel der „Bedauernswerten“ sollten nicht zählen.

Dies allein ist schon heimtückisch genug, noch verabscheuungswürdiger ist jedoch der hinterlistige Plan, die Präsidentschaft durch das Säen von Misstrauen zu destabilisieren. Auf Trump bezogen erklärt Herr oder Frau Anonym: „Das Dilemma – das er nicht vollständig erfasst – ist, dass viele der leitenden Beamten in seiner eigenen Regierung von innen heraus eifrig daran arbeiten, Teile seiner Agenda und seine schlimmsten Bestrebungen“ – gemeint ist hier der Frieden mit Russland – „zu vereiteln.“

Dies ist die Intrige eines Jago. Shakespeares Bösewicht zerstörte Othello, indem er ihn dazu brachte, seinen nächststehenden Vertrauten zu misstrauen – seiner Frau und seinen engsten Verbündeten. Wie Trump in Washington war auch Othello, der „Mohr“ Venedigs, ein Außenseiter und somit deutlich leichter zu täuschen und zu betrügen.

Gastbeitrag von der CIA?

Die „New York Times“ gibt den Jago. Sie raunt, Putin sei im Kreml von geheimen „Informanten“ umgeben und Trump im Weißen Haus von Leuten, die seine Präsidentschaft systematisch untergraben. Putin wird sich davon wahrscheinlich nicht beeindrucken lassen. Bei Trump hingegen könnte der Trick funktionieren, ist er doch tatsächlich die Zielscheibe offener und verdeckter Feinde und seine Position viel unsicherer. Auf jeden Fall wird an der Aushöhlung seiner Präsidentschaft gearbeitet.

Wurde der Gastbeitrag der „New York Times“ von eigenen Journalisten verfasst oder von der CIA? Das spielt kaum eine Rolle, denn beide sind eng miteinander verflochten.

Jenen, die Trump als unerträglichen Eindringling in ihren Machtbereich ansehen, ist kein Trick zu schäbig. Die „Nachricht“ der “New York Times“, Trump sei von Verrätern umzingelt, wird von anderen Medien aufgenommen, die die Story indirekt bestätigen, wenn sie darüber spekulieren „wer es wohl ist?“ Auch der Boston Globe eiferte mit und fragte:

„Wer ist nun der Autor des Gastbeitrags? Diese Frage stellen sich viele, die den Text daraufhin unter die Lupe nehmen und nach Hinweisen suchen. Währenddessen folgen die Dementis auf dem Fuß. Schauen wir uns mal einige der höchsten Regierungsbeamten an, die ein Motiv für diesen Beitrag gehabt haben könnten.“

Zentrales Narrativ: „Trump ist verrückt“

Ist es nicht offensichtlich, dass all dies Trump dazu bringen soll, allen in seinem Umfeld zu misstrauen? Wäre dies nicht eine Methode, ihn genau so „verrückt“ zu machen, wie er ihrer Behauptung nach bereits ist? Und sollten die Mueller-Ermittlungen mit nichts Schwerwiegenderem aufwarten können als der Tatsache, dass Agenten der russischen Aufklärung aufgeklärte Agenten sind, wäre dieses „verrückt“ der Plan B zur Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens.

Der Insider – oder die Insider, wie auch immer – im Weißen Haus benutzen Ausdrücke wie „sprunghaftes Verhalten“ und „Unbeständigkeit“, um das Narrativ „Trump ist verrückt“ zu verstärken. Unzurechnungsfähigkeit ist der Ersatz-Vorwand für Muellers vergebliches Bemühen, Trump seine Präsidentschaft zu entziehen. Wenn Trumps Reaktion darin besteht, die Verräter als Verräter zu beschuldigen, wird dies den endgültigen Beweis seiner geistigen Labilität darstellen. Der Gastbeitrag behauptet, Beweise für den Verrat an Trump zu liefern – würde Trump dies jedoch äußern, würde man es als Zeichen seiner geistigen Verwirrtheit interpretieren. Um unsere beispielhafte Demokratie vor sich selbst zu schützen, muss der gewählte Präsident gefeuert werden.

Der Militär-Industrie-Kongress-Tiefer-Staat-Medien-Komplex

Der Militär-Industrie-Kongress-Tiefer-Staat-Medien-Komplex hält den Atem an – um schließlich erleichtert aufzuatmen. Der Eindringling ist fort – hurra! Jetzt können wir endlich das Volk lehren, den russischen Feind zu fürchten, damit die Waffengeschäfte weiter blühen und die NATO ihre aggressiven Streitkräfte rund um Russland verstärkt in der Hoffnung, die Russen so in Angst und Schrecken zu versetzen, dass sie Putin loswerden und an seine Stelle ein neuer Boris Jelzin tritt, der den USA erlaubt, den Plan Clintons weiter zu verfolgen, die russische Föderation – wie das frühere Jugoslawien – in Stücke zu zerteilen, um dann eines nach dem anderen mit all seinen Rohstoffen zu übernehmen.

Sollte all dies scheitern, wie es bereits gescheitert ist und auch weiterhin scheitern wird, haben die USA all diese brandneuen atomaren Erstschlagswaffen, die in den europäischen NATO-Ländern stationiert und auf den Kreml gerichtet sind. Und das russische Militär sitzt nicht einfach da mit seinen Atomwaffen und wartet darauf, ausgelöscht zu werden. Wenn niemand, nicht einmal der US-Präsident, das Recht hat, sich mit russischen Staatschefs zu treffen und zu sprechen, bleibt nur noch eine Form des Austausches. Wenn Dialog nicht möglich ist, bleibt nur noch Zwang und Gewalt. Und genau dies wird von den einflussreichsten Medien der USA gefördert.

Anmerkung: Dieser Text erschien zuerst unter dem Titel „The New York Times as Iago“.



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