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20. November 2018

Emir von Katar bekräftigt in Berlin Investitionsziel 10 Milliarden – Merkel erfreut




Auf einer groß angelegten Wirtschaftskonferenz in Berlin hat der Emir von Katar in Anwesenheit der Bundeskanzlerin seine Zusage wiederholt, in den nächsten fünf Jahren mindestens zehn Milliarden Euro in Deutschland zu investieren. Angela Merkel äußerte in einer Erwiderung Freude über diese Pläne.

Den Emir von Katar in einem normalen Maßanzug zu sehen, ist keine ausgesprochene Seltenheit, aber erlebt man auch nicht alle Tage. Doch Scheich Tamim Bin Hamad Al Thani, Staatsoberhaupt von Katar, ist und handelt in mancherlei Hinsicht anders als die meisten der arabischen Monarchen. Vor allem hat er eine deutlich liberalere Auffassung vom Islam als die anderen gekrönten Häupter in seiner Nachbarschaft. Vielleicht ist das der eigentliche Grund für die Blockade einer von Saudi Arabien angeführten Koalition, die 2017 verhängt wurde, obwohl offiziell die angebliche oder tatsächliche Terror-Unterstützung durch Katar als Grund für die Isolierung angegeben wird.

Katar ein Terrorfinanzier?

Tatsächlich räumt die katarische Regierung ein, die palästinensische Hamas zu unterstützen, die als Terrororganisation gilt. Verdächtigt wird die Regierung des Emirs auch, neben der Muslimbruderschaft, unter anderem auch al-Qaida und die al-Nusra-Front zu fördern. Terrorverdächtige sollen in Katar mit Wissen der Behörden unbehelligt leben. Die Golfmonarchien, insbesondere die in Riad, die sich als Hüterin der Heiligen Stätten versteht, weshalb die Könige Saudi Arabiens auch einen entsprechenden Titel tragen, empfinden die diversen ultrakonservativen islamischen Gruppierungen als Bedrohung ihrer Throne.

Katar und Türkei sind enge Verbündete

Als einer der wichtigsten Verbündeten Katars in dieser Situation hat sich die Türkei erwiesen, die unter anderem mit rund 200 Transportflugzeugen Katar versorgt. Eigentlich ein ökonomisches Risiko für Ankara, denn die Handelsvolumina der Türkei mit Saudi Arabien sind größer als mit Katar. Beobachter erklären das kleine Rätsel mit dem Umstand, dass auch die Türkei im Verdacht steht, die Muslimbrüder zu unterstützen. Katar wiederum revanchierte sich bei den jüngsten Währungsturbulenzen in der Türkei mit einer spontanen Investitionszusage über rund 15 Milliarden US-Dollar.

Katar will Milliarden in Deutschland investieren

Ähnlich spendabel und investitionsfreudig präsentierte sich Scheich Hamid in Berlin. In Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel wiederholte Katars Staatsoberhaupt jenes Investitionsversprechen, das schon vorher die Runde durch bundesdeutsche Medien machte. Demnach will Katar in den nächsten fünf Jahren rund 10 Milliarden Euro in Deutschland ausgeben. Emir Al Thani hatte auch kein Problem damit, in seiner Rede anzudeuten, dass diese Summe durchaus als katarisches Dankeschön für die solidarische Haltung verstanden werden kann, die von Berlin bislang als Reaktion auf die sogenannte Katar-Krise an den Tag gelegt wurde.

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Katars Investitionen freuen Kanzlerin sehr

Die Kanzlerin dankte mit ausgesuchtem Lächeln und den Worten „das freut uns sehr“. Geht es nach ihr, dann wären Katars Milliarden vor allem im deutschen Energiesektor hoch willkommen. Die Infrastruktur hat Scheich Hamid in seiner Berliner Grußadresse an die Konferenz tatsächlich zu einem der Ziele der katarischen Einkaufstour der nächsten fünf Jahre genannt, neben dem Gesundheitswesen. Vor allem in klein- und mittelständische Unternehmen zieht es den Emir, sofern man seinen Lobgesang auf das bundesdeutsche Charakteristikum richtig deutet, dass der Löwenanteil der deutschen Wirtschaftskraft von tausenden mittelständischen Familienunternehmen getragen wird. Das soll nach dem Willen des Emirs auch Katars zukünftige Wirtschaft prägen. Bislang hat das Emirat vor allem in große deutsche Konzerne wie Volkswagen, Siemens, Hochtief oder die Deutsche Bank investiert.

Katar „hungrig nach westlichen Produkten und Dienstleistungen“

In Berlin anwesende Mitglieder der katarischen Regierung und Wirtschaftswelt, die zum Teil auch Mitglieder der Königlichen Familie sind, stimmten regelrechte Lobgesänge auf die Struktur der deutschen Nationalökonomie an. Scheich Ahmed Bin Jassim Bin Mohammed Al Thani ist ein direkter Verwandter des Emirs und ehemaliger Chef des Fernsehsenders Al Jazeera. Als solcher kennt er öffentlichkeitswirksame Auftritte und so war er in Berlin als nunmehriger Katarischer Minister für Wirtschaft und Handel zur Freude der anwesenden deutschen Wirtschaftsvertreter auf einem Diskussionspodium mit dem Satz zu vernehmen:

„Sehen Sie Katar als Drehscheibe einer Region, die hungrig ist nach westlichen Produkten und Dienstleistungen.“

Katar rühmt sich damit, innerhalb von 72 Stunden die Genehmigung für eine Unternehmensgründung zu bewerkstelligen. Bislang arbeiten rund 300 deutsche Unternehmen im Golfemirat. Und Katar möchte, dass es mehr werden, vor allem im produzierenden Gewerbe.

Katar als Gaslieferant für Deutschland?

Bundeskanzlerin Angela Merkel setzte indes einen anderen interessanten Akzent. Sie erinnerte daran, dass Katar der weltgrößte Exporteur von Flüssiggas (LNG) ist. Und ihr wie nebenbei eingeflochtener Satz:

„Flüssiggas trägt auch zur Diversifizierung der Gasbezugsquellen bei und dient damit auch der Versorgungssicherheit“

ist mit ziemlicher Sicherheit nicht nur eine Botschaft an den staatsmännisch wohlwollend lächelnden Emir vor ihr in seinem weißen Sessel gewesen.

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